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Die 30er und 40er Jahre

Mein Auto fährt Eisenbahn

Am 1. April 1930 fing alles an: Vor mehr als siebzig Jahren beförderte die Deutsche Reichsbahn erstmals Automobile auf der Schiene.

Von der Massenmotorisierung war Deutschland am Vorabend der Weltwirtschaftskrise noch weit entfernt. Doch 422.000 Automobile, die 1929 auf deutschen Straßen unterwegs waren - gegenüber gerade 60.000 zu Beginn der zwanziger Jahre - hatten eine Nachfrage geschaffen.

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"Häufig besteht bei Kraftfahrern der Wunsch, den Kraftwagen mit der Eisenbahn zu versenden und selbst die Reise, schnell, bequem und ohne jede Anstrengung im Eisenbahnzuge zurückzulegen", hieß es im Reichsbahn-Prospekt. Das bedeutete allerdings nicht, dass Fahrer und Auto im selben Zug reisten. Meistens wurden die Fahrzeuge in Eilgüterzügen transportiert - doch auch die waren damals von Hamburg nach Basel 33 Stunden unterwegs.

Spezielle doppelstöckige Autotransportwagen wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt - die Reichsbahn benutzte zunächst normale Flachwagen. Mehr als 50 Bahnhöfe zwischen Stettin und Stuttgart standen für diesen Service zur Verfügung. Die Zielgruppe für das "Auto als Reisegepäck" war natürlich extrem klein: Wer sich damals den Luxus eigenen Autos leisten konnte, musste schon Unternehmer, Adeliger, Geschäftsmann oder ranghoher Militär gewesen sein.

Und dennoch: in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren beginnen die "kleinen Leute" der Oberschicht ein Privileg zu entreißen: den Urlaub. "Die besser gestellten Kreise sind ausgeblieben, selbst einfache Angestellte haben die Schweiz und Italien bereist", beklagte ein Partenkirchener Hotelier in der "Münchener Zeitung".

Der tariflich geregelte Anspruch auf Urlaub - für Beamte schon immer selbstverständlich - wird in den letzten Jahren der Weimarer Republik auch in den meisten Industriebranchen durchgesetzt. In den Ferienheimen der Gewerkschaften, Arbeitervereine und Organisationen wie den "Naturfreunden" kostet eine Übernachtung mit Vollpension 4,50 Reichsmark.

Das Dritte Reich macht dem ein Ende. Nach Hitlers Machtergreifung veranstaltet die nationalsozialistische Organisation "Kraft durch Freude" billige Urlaubsreisen für Arbeiter und Angestellte. 1937 werden über 1,5 Millionen Menschen verschickt, davon jeder Zehnte auf eine Kreuzfahrt. Der Zweite Weltkrieg stürzt Europa am 1. September 1939 ins Chaos. In den vierziger Jahren ist kaum jemand mehr freiwillig unterwegs: Soldaten, Deportierte, Flüchtlinge, später - nach Kriegsende - verzweifelte Menschen auf der Suche nach Kohlen und Essen.

Letzte Aktualisierung: 09.09.2011

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